Wappen des Mühlen- und Heimatvereins Düdenbüttel-Grefenmoor

Mühlen war schon in der Antike ein zentraler Ort der Versorgung. Je nach Antriebsart (Muskelkraft, Wind- oder Wasserkraft) lagen die Gebäude an den dafür geeignetsten Stellen.

So waren die Standorte für Windmühlen immer so gewählt, dass sie leicht den Wind einfangen konnten, um so das Korn zu mahlen. Dementsprechend waren die Müller zentrale Figuren der regionalen Brotversorgung.

Einen leibhaftigen Müller können wir Ihnen nicht mehr bieten, jedoch ein historisches Ambiente, das in die Landschaft und zu ihren Menschen passt.

Haben Sie schon mal uns beim Mühlentag (immer Pfingsmontag) gesehen? Nein?
Dann können Sie das hier.

 

.

 

weiterlesen: Geschichte der Mühle "Amanda" in Grefenmoor

Dagegen legte dieser noch im November 1847 Rekursbeschwerde beim Innenministerium in Hannover ein. Während in den nun folgenden mehrmaligen Stellungnahmen die Landdrostei Stade und das Amt Himmelpforten bei ihrer Sicht der Dinge blieben und jedes Bedürfnis nach einer Windmühle in Grefenmoor leugneten, bestand das Innenministerium darauf, den von Tamcke ins Feld geführten zahlreichen Klagen der Einwohner über die Qualität der Mahlprodukte und die mangelnde Kapazität insbesondere der Wassermühle in Kuhla, Sunde, Himmelpforten und Fredenbeck genauer auf den Grund zu gehen. Da die Beamten in Himmelpforten und Stade sich jedoch nicht revidieren mochten, erließ das Innenministerium am 31. Mai 1848 zwar einen vorläufig ablehnenden Bescheid an Tamcke, doch stellte es ihm darin ausdrücklich frei, auf eigene Kosten ein Sachverständigengutachten über die Auslastung, Wasserversorgung, Entfernung und Kapazität der vorhandenen Mühlen anfertigen zu lassen. Im Lichte dieses Gutachtens, in dem es in erster Linie auf die Ortschaften Düdenbüttel, Hammah, Mittelsdorf und Weißenmoor, am Rande aber auch auf Heinbockel, Haddorf und Wiepenkathen anzukommen hatte, sollte sein Antrag dann von Neuem geprüft und beschieden werden.

Bereits am 24. Juli 1848 beantragte Tamcke daher bei der Landdrostei in Stade, den Mühlenbesitzer Müller aus Scheeßel, den Landwirt Hinrich Hinrichs aus Oldendorf und den Bäcker Friedrich Schulz aus Himmelpforten als Sachverständige mit dem vom Innenministerium angeregten Gutachten zu beauftragen. Da die Landdrostei zunächst ablehnte, musste Tamcke abermals ein Rechtsmittel in Hannover einlegen. Diesem gab das Innenministerium mit Bescheid vom 16. November 1848 statt und ordnete die Zulassung der von Tamcke benannten Gutachter an; da er allein die Kosten trage, gäbe es nicht die geringste Handhabe für deren Ablehnung. Weil nunmehr auch die Konkurrenz fürchtenden Müller der betroffenen Wassermühlen ein gegen die Grefenmoorer Mühlenbaupläne gerichtetes eigenes Sachverständigengutachten in Auftrag gaben, zog sich die Sache enorm in die Länge. Noch mehrmals musste Tamcke in Hannover Untätigkeitsbeschwerde einlegen und dementsprechend das Innenministerium bei den nachgeordneten Behörden mehrmals auf Beschleunigung dringen, bis schließlich Ende des Jahres 1852 klar war, dass die Beschwerden über den häufigen Wassermangel und die daraus resultierenden Engpässe bei der Mehl- und Schrotversorgung zu Recht erhoben wurden. Nach Befragung mehrerer ortsansässiger Zeugen schwenkte das Amt Himmelpforten daher um und erklärte sich mit Bericht vom 4. Dezember 1852 nunmehr auch davon überzeugt, „dass eine Erweiterung des Mühlenbetriebes in hiesiger Gegend Bedürfnis ist“. Grefenmoor sei für eine zusätzliche Mühle zweifellos der geeignete Standort, denn diese läge dort „unmittelbar an der Chaussee, im Mittelpunkte derjenigen Ortschaften, welche von den bisherigen Mühlen am entferntesten sind“.

Mit Reskript vom 19. Februar 1853 beauftragte daraufhin das Innenministerium die Landdrostei Stade, unter Zuziehung von Sachverständigen und im Einvernehmen mit den Gemeinden Hammah, Düdenbüttel, Mittelsdorf und Weißenmoor die Kapazität der neuen Windmühle zu bestimmen und mit Tamcke über die dafür zu entrichtende Konzessionsabgabe zu verhandeln. Da alle grundsätzlichen Hindernisse bereits aus dem Wege geräumt waren, ging es nun sehr schnell. Beide Seiten einigten sich auf eine Windmühle holländischer Bauart, d. h. mit festem Unterbau und Achtkant und drehbarer Kappe, die über zwei Mahlgänge und einen Graupen- oder Reinigungsgang verfügen sollte. Als Jahreskonzession bot Tamcke für jeden der drei Gänge zwei Taler, insgesamt also sechs Taler, an, ein Betrag, den die Behörden für angemessen hielten und sofort akzeptierten.

Der Mühlenbau konnte daher schnell beginnen und noch im selben Jahr im Wesentlichen zum Abschluss gebracht werden. Wie das Amt Himmelpforten am 2. Dezember 1853 berichtete, war die Mühle in Grefenmoor bereits seit dem 25. November „mit einem Gange in Tätigkeit“, und es erwartete, dass „die beiden übrigen mit kommendem Frühjahr fertig sein werden“. So setzte die Landdrostei Stade am 7. Dezember 1853 eine den Vorverhandlungen entsprechende Konzessionsurkunde auf, und neun Tage später, am 16. Dezember, konnte Hinrich Tamcke beim Amt Himmelpforten deren Aushändigung quittieren. Ein sechs Jahre dauernder Kampf mit den Behörden war dank seiner Zähigkeit schließlich doch zu seinen Gunsten entschieden.

Dr. Bernd Kappelhoff, Leiter Niedersächsisches Staatsarchiv in Stade
Quellen:  Rep. 80 G, Tit. 267, Nr. 9 und Rep. 74 Himmelpforten, Nr. 1707