Wappen des Mühlen- und Heimatvereins Düdenbüttel-Grefenmoor

Mühlen war schon in der Antike ein zentraler Ort der Versorgung. Je nach Antriebsart (Muskelkraft, Wind- oder Wasserkraft) lagen die Gebäude an den dafür geeignetsten Stellen.

So waren die Standorte für Windmühlen immer so gewählt, dass sie leicht den Wind einfangen konnten, um so das Korn zu mahlen. Dementsprechend waren die Müller zentrale Figuren der regionalen Brotversorgung.

Einen leibhaftigen Müller können wir Ihnen nicht mehr bieten, jedoch ein historisches Ambiente, das in die Landschaft und zu ihren Menschen passt.

Haben Sie schon mal uns beim Mühlentag (immer Pfingsmontag) gesehen? Nein?
Dann können Sie das hier.

 

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Holländer-Windmühle "Catharina"

Verfasser: Dr. Wolf-Dieter Syring
Copyright: Günter Klindworth, Buxtehude 2014


Amanda, Düdenbüttel-Grefenmoor


Venti Amica, Hollern-Twielenfleth

Aurora, Jork-Borstel


Anna-Maria, Mulsum

In den Küstengebieten Norddeutschlands ist eine große Anzahl Windmühlen erhalten, von denen viele von engagierten Mühlen-Vereinen liebevoll restauriert und instandgehalten werden. Einige besitzen funktionsfähige Mahlgänge und werden nach wie vor genutzt. Die vier abgebildeten Mühlen befinden sich im Elbe-Weser-Dreieck und gehören wie das hier vorgestellte Modell zu den Hoch-Holländerwindmühlen, die im Flachland und weniger günstigen Standorten gebaut wurden.

Vorlage und Modell

Der Typ der Hoch-Holländerwindmühlen hat in der Regel einen massiven Unterbau, der mehrere Etagen umfassen kann und mit einer Galerie abgeschlossen wird. Die eigentliche Windmühle ist als Holzkonstruktion auf diesem Unterbau errichtet und hat wie alle Holländerwindmühlen einen achteckigen Querschnitt.
Der Nachbau basiert auf dem Modellbauplan der abgebildeten Schnupftabakmühle (links, im Maßstab 1:50).
Das hier beschriebene Modell wurde in dreifacher Vergrößerung (im Maßstab 1:16b) realisiert und im Jahr 2012 fertiggestellt. Alle Teile des Modells sind in Handarbeit oder in Sonderanfertigung erstellt und mit vielen Details versehen. Die Haube der Windmühle mit den Flügeln ist – wie das Vorbild – um 360 Grad drehbar. Bei einem Durchmesser von 98 cm hat das Modell eine Gesamthöhe von 210 cm (ohne Flügel 160 cm), die Spannweite der Flügel beträgt 132 cm.
Die Mühle zeigt eine typische Anlage, die nicht einem bestimmten Original nachgebildet ist, sondern Form und Funktion einer Holländerwindmühle verdeutlicht.
Die Balkenkonstruktion, die detailreiche äußere Gestaltung und die präzise Nachbildung der inneren mechanischen Teile machen dieses hervorragende Modell zu einem besonders attraktiven Beispiel des Mühlenbaus.

Der Aufbau der Mühle
Die Mühle besteht aus sechs Bauteilen, dem mit Ziegeln verkleideten Kellergeschoss, dem Erdgeschoss, den Obergeschossen und schließlich der Haube und den Flügeln sowie der Galerie.

1. Kellergeschoss
Der Grundriss des Untergeschosses hat die Form eines regelmäßigen Achtecks und bestimmt damit die Gestalt der ganzen Mühle. Das im Norden Deutschlands für diesen Teil häufig verwendete Ziegel-Mauerwerk wird im Modell nachgebildet in Form eines Kreuzverbandes.
In diesem Geschoss ist der Antrieb des Modells untergebracht, ein regelbarer Scheibenwischermotor, der über Königswelle und Kammrad die Flügel in Bewegung setzt.

2. Erdgeschoss

Die Konstruktion übernimmt den Grundriss des Untergeschosses. Acht Ecksäulen – ausgesteift mit Spannriegeln – tragen die Obergeschosse und die Haube. In der Deckenplatte sind Aussparungen für die Königswelle, den Antrieb der Mahlgänge und den inneren Treppenaufgang zu sehen.
Die Tür und die Fenster entsprechen mit ihrer Rahmenkonstruktion dem Vorbild, ebenso die Fenstergestaltung und die Verkleidung.
Die Stützen der Galerie ruhen auf den Ecksäulen und den Spannriegeln und werden von Konsolen getragen.


3. Obergeschoss

Das Erdgeschoss gibt die achteckige Struktur an die drei Obergeschosse weiter, wobei sich der Querschnitt von Geschoss zu Geschoss weiter verjüngt. Die Ecksäulen werden von den Zwischendecken, bestehend aus einer Balkenlage mit Dielenbelag, ausgesteift und tragen die Haube, die auf der hier sichtbaren unteren Rollenbahn drehbar gelagert ist. Die Aussparungen für die Königswelle und die Treppenaufgänge sind im Bild links bereits eingearbeitet. Vor Beendigung der Innenarbeiten wurden sämtliche Öffnungen in den Geschossen mit Schutzgeländern versehen.
Der Einbau der Treppen, Türen und Fenstern und auch die Verkleidung entspricht dem Erdgeschoss. [Die Königswelle und weitere technische Ausstattungsdetails werden weiter unten beschrieben.] Zunächst wurden alle erforderlichen Streben, Spannriegel und Fenster- und Türauswechselungen eingebaut.
Nach dem Einsetzen der Sprossenfenster erfolgte die Außenverkleidung durch Bretter. Jedes Brett bekam (wechselseitig) zwei außenliegende Federn, um eine hohe Dichtigkeit zu erzielen.

4. Haube

Die Konstruktion der Haube ist im Vorbild wie Nachbau eine der aufwendigsten Arbeiten. Die obere Rollenbahn bildet mit dem Kappring, Fug- und Stichbalken das Gerüst.  Der kleine und der großen Wellenbalken, der große und der kleine Schwertbalken sowie der Königsbalken bilden den funktionalen Kern der Konstruktion, ergänzt durch Gebinde und Querriegel. Die Rutenwelle, gelagert auf Lagersteinen vorn und hinten, sowie das Kammrad vervollständigen die Konstruktion.

Um die Bewegung der Mühlenflügel kontrollieren zu können, erhält das Kammrad eine Bremse, im Modell in Form eines Stahlbandes. Die Abbremsung erfolgt über den Bremsbalken und das Bremsseil bis zur Haspel auf der Galerie. Von dort aus werden auch mithilfe des Krühwerks die Mühlenflügel in den Wind gestellt. Es besteht aus einem Stert, flankiert von zwei langen und zwei kurzen Schwertern, so dass die Haube an fünf Punkten gleichzeitig bewegt wird und sich auf der unteren Rollenbahn drehen kann.

Zur Eindeckung der Haube wird die Dachfläche zunächst mit einer Schalung versehen und anschließend mit Holzdachschindeln gedeckt. Die dafür erforderlichen 1605 Dachschindeln sind in zeitraubender Handarbeit hergestellt worden!

5. Wellkopf und Flügel
Der Wellkopf wurde aus Metall gefertigt. Er trägt die vier Flügel, die mit Windbrettern und Sprossengittern ausgestattet sind.
Diese Bauweise wird für Flügel mit Segelzeug verwendet, wobei die Segel – wie bei den auf der inneren Umschlagseite gezeigten Mühlen – nicht aufgezogen sind.

6. Galerie

Da einige Holländerwindmühlen aufgrund der Windverhältnisse größere Bauhöhen erforderlich machten, war es nicht mehr möglich, die Flügel und den Stert zu erreichen. Um eine ordnungsgemäße Bedienung zu ermöglichen, wurde in geeigneter Höhe eine umlaufende Galerie angebaut, von der aus die Flügel, der Stert und die Bremse bedient werden können.
Die Holzkonstruktion besteht aus Flurbalken und Streben, die auf Konsolen gelagert sind. Auf den Balken werden Dielen verlegt, am äußeren Rand umläuft ein Geländer die gesamte Galerie.

Die Mühlentechnik

Die technische Ausstattung einer Holländer-Windmühle variiert je nach Einsatzzweck, einige Elemente sind jedoch in allen Mühlen ähnlich, insbesondere die Mechanik der Kraftübertragung. Diese Teile liegen im Inneren der Mühle, sind im Modell aber durch abnehmbare Seiten zugänglich.


Königswelle


Die Königswelle wird exakt in der Mitte der Mühle eingebaut. Dies ist erforderlich, damit die Zähne des großen Kammrades in die Zähne des kleinen Kammrades auch beim Drehen der Haube gleichmäßig ineinander greifen. Die Welle hat am unteren Ende ein kleines Kammrad und lagert auf dem Königswellenbock.

Mahlgänge

Die Mahlgänge (auch Kollergänge genannt) befinden sich im Erdgeschoss. Am unteren Ende der Königswelle treibt das kleine Spindelrad (kleines Kammrad) die Stirnräder an.
Durch die Untersetzung vom kleineren Spindelrad auf die größeren Stirnräder laufen die Kollergänge in der erforderlichen langsameren Drehgeschwindigkeit.
Mithilfe eines Hebels können die Stirnräder aus dem Spindelrad genommen werden, um die Kollergänge – unter anderem für Wartungsarbeiten – zum Stillstand zu bringen.
Diese mechanischen Elemente sind im Modell funktionsfähig und können – nach Herausnahme einer Mühlenwand – betrachtet und auch betätigt werde.


Günter Klindworth

Der gebürtige Buxtehuder hat die detailgetreue Arbeit in seinem Beruf als Maurermeister und Projektleiter im Hamburger Bauamt schätzen gelernt und nach seiner Pensionierung in einigen kleineren Projekten fortgeführt. Das hier vorgestellte Modell einer Holländer-Windmühle ist sicher eins seiner Meisterwerke, sowohl in seiner äußeren Erscheinung wie auch in seinen (durch die abnehmbaren Seitenwände sichtbaren) inneren Werten wie zum Beispiel der funktionsfähigen Mühlenmechanik.
In der lokalen Presse fand die Arbeit Günter Klindworths einen respektvollen Widerhall:
Die Kreiszeitung "Neue Buxtehuder – Wochenblatt" schrieb am 20. April 2013 unter der Überschrift "Ein Tüftler mit langem Atem":
Wie viele Arbeitsstunden Günter Klindworth (77) in dieses seemannshohe Schmuckstück gesteckt, kann er nicht einmal grob schätzen. Bis ins kleinste Detail sind alle Teile des Modells der Holländer-Windmühle handgefertigt. . . . Zehn Jahre lang hat er jeden Winter an diesem außergewöhnlichen Stück gearbeitet.
Das Buxtehuder Tageblatt stellte die Mühle am 17. Mai 2013 unter dem Titel "Windmühle sucht neuen Liebhaber" vor:
Immer in den Wintermonaten baute er die Mühle, die als Modell im Maßstab 1:50 schon lange in seinem Keller stand, Stück für Stück dreimal größer nach. . . .
Jetzt ist sie fertig, die 2,10 Meter hohe Mühle, deren Mühlenblätter von einem Scheibenwischermotor vom Auto angetrieben werden. . . . Noch steht die Mühle im Keller des Bastlers, doch er wünscht sich, dass auch andere Menschen das Modell anschauen können. . . .
Es wäre schön, so Klindworth, wenn die Mühle in der Region bliebe.
Der Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Das kleine Modell Catharina ist seit dem 16.April 2014 in ihrer grossen Schwester "Amanda" in Grefenmoor bei Stade zu finden.
Dort ist den Besuchern ein doppelter Einblick in die Besonderheiten einer Holländer-Windmühle möglich:
Die Kornwindmühle Amanda wurde vom Mühlen- und Heimatverein Düdenbüttel-Grefenmoor liebevoll restauriert, die mit viel Liebe zum Detail nachgebaute Schnupftabakmühle Catharina dient zur Illustration der Mühlenarchitektur und ihrer Technik. Beide machen die Schönheit der Mühlen vergangener Jahrhunderte wieder erlebbar und zeigen die Kunstfertigkeit der früheren und der heutigen Mühlenbauer.